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Jim Rickards: Rezession schon längst da – Kommt eine Finanzkrise noch dazu?

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

der Mann ist bekanntlich ein rotes Tuch für die einen. Für die anderen ist Jim Rickards die große Hoffnung, dass man auch in einer schweren Baisse und bei explodierenden Inflationsraten sein Vermögen retten kann. Ich lese Jim Rickards regelmäßig. Bilden auch Sie sich jetzt Ihre Meinung. Jim kommentiert für uns in Europa die jüngsten Maßnahmen der Fed. Wie auch immer Sie zu dem Mann stehen, Sie sollten seinen Standpunkt kennen.


Der Markt lebt in Verleugnung

Gastbeitrag von Jim Rickards. Chefanalyst Taktische Währungsgewinne

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Das schrieb ich meinen Lesern in einem Sonderbericht am 26. Juli, einen Tag bevor der Offenmarktausschuss der US-Notenbank zusammenkam, um über das weitere Vorgehen hinsichtlich der Zinspolitik zu entscheiden:

„Die Fed wird den Leitzins um 0,75 % anheben. Die Aktienmärkte könnten sich direkt nach dem Zinsentscheid etwas erholen. Anschließend könnten die Märkte am Folgetag ihren jüngsten Aufwärtstrend fortsetzen und sogar etwas stärker zulegen als das aktuelle Momentum erwarten lässt. Im Moment sieht die Realität so aus, dass die Rezession durch die aggressive geldpolitische Straffung der Fed noch schlimmer wird.“

Nachdem ich diese Prognose abgegeben hatte, geschah Folgendes:

Am Mittwoch, den 27. Juli um 14:00 Uhr ET gab die Fed bekannt, dass sie den Leitzins um 0,75 % anheben würde. Die Aktienmärkte erholten sich nach dieser Ankündigung; der Dow stieg an diesem Tag um 1,37 %, der S&P 500 um 2,62 % und der Nasdaq Composite um 4,06 %.

Am folgenden Tag um 8:30 Uhr ET veröffentlichte das US-Handelsministerium die Zahlen zum US-BIP des zweiten Quartals. Das Wachstum war um 0,9 % rückläufig. Zusammen mit dem negativen Wachstum von 1,6 % im ersten Quartal bedeutet dies, dass sich die USA offiziell in einer Rezession befinden, wenn man die Standarddefinition von zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit rückläufigem BIP zugrunde legt.

In meiner Prognose hatte ich den Lesern geraten, sich auf Zinserhöhungen, eine Aktienmarktrallye und Nachrichten über eine Rezession einzustellen. Wir haben alle drei bekommen. Das ist definitiv ein gute Trefferquote für meine Vorhersagen, jedoch eine schreckliche Nachricht für alle anderen. In diesem speziellen Nachbericht zur Fed-Sitzung erkläre ich, warum.

Die Vorhersage der Zinserhöhung war die einfachste. Die Fed sagt einem immer, was sie tun wird; sie ist entschlossen, Überraschungen für die Märkte zu vermeiden. Man muss nur wissen, wo man nach den Hinweisen suchen muss (sie finden sich in Reden, Zeugenaussagen und Presseberichten).

Die Aktienmarktrallye zu prognostizieren war schwieriger. Meine Leser wissen, dass meine mittelfristige Prognose auf der Grundlage der Zinserhöhungsmaßnahmen der Fed und anderer geldpolitischer Maßnahmen der Fed, einschließlich der Verringerung der Geldmenge um 80 Mrd. USD pro Monat, d.h. etwa 1 Billion USD pro Jahr, auf einen starken Rückgang der Aktienmärkte hindeutet.

Das ist immer noch meine Prognose.

Aber die Tage, an denen die Fed ihre Zinserhöhungen ankündigt, sind eigenartig und fallen oft anders aus als der Trend. Der Grund dafür ist, dass Hedgefonds, Investmentbanken und Hochfrequenzhändler alle innerhalb von Nanosekunden nach der Ankündigung der Fed reagieren wollen. Zu diesem Zweck setzen sie Roboter und Algorithmen ein.

Die Algorithmen nutzen künstliche Intelligenz und natürliche Sprachverarbeitung, um die Pressemitteilung der Fed sofort zu lesen. Kauf- oder Verkaufsaufträge werden ebenso schnell eingegeben. Um diese Algorithmen zu schreiben, braucht man Programme und damit die Entwickler Programme schreiben können, braucht man Modelle. Und genau daran scheitert das analytische System.

Ein Modell ist nichts anderes als eine in mathematische Form gebrachte Erzählung. Die Entwickler machen den Rest. Anschließend übernehmen die Roboter den Rest. Aber das Narrativ ist völlig falsch.

Das vorherrschende Narrativ geht in diese Richtung: Die Fed hat die Zinsen aggressiv erhöht, um die Inflation zu bekämpfen. Dennoch gibt es überall Anzeichen für eine Rezession. Wenn es zu einer Rezession kommt, wird sich die Inflation von selbst abkühlen. Das bedeutet, dass die Fed die Zinsen in Zukunft nicht mehr so stark anheben muss und Anfang nächsten Jahres vielleicht sogar zu Zinssenkungen übergeht.

Sollte es zu einer Rezession kommen, wird diese mild ausfallen. Die Kombination aus geringerer Inflation, weniger Zinssenkungen und einer milden Rezession ist für Aktien im Allgemeinen und für Technologiewerte im Besonderen günstig. Die Roboter sagen also: Kauft Aktien! Und genau das ist passiert. Das erklärt auch, warum der Nasdaq besser abschnitt als der Dow und der S&P.

Vieles in der Ankündigung der Fed und in der Pressekonferenz von Jay Powell unterstützte dieses Narrativ. Insbesondere deutete Powell an, dass der Zielsatz für den Leitzins bis zum Jahresende bei 3,50 % liegen würde. Im Moment liegt dieser Satz nach der Ankündigung der letzten Woche bei 2,25 %. Für den Rest des Jahres (September, November und Dezember) hat die Fed drei Zinssitzungen angesetzt.

Wenn die Fed plant, die Zinssätze bei den nächsten drei Sitzungen um weitere 1,25 % anzuheben, bedeutet dies zwei Zinserhöhungen um 0,50 % und eine um 0,25 %. Das ist deutlich weniger als die 0,75 % bei den letzten beiden Sitzungen. Das war das Signal auf das die Roboter gewartet haben, weil es künftig geringere Zinserhöhungen signalisiert (und damit auch eine niedrigere Inflation).

Sie stürzten sich darauf und die Aktienkurse schnellten in die Höhe. Tatsächlich blickten die Roboter und die Märkte über eine Rezession hinweg, die gerade erst begonnen hat. Die Roboter entschieden, dass alles gut sei. Das Problem ist nur, dass das verfolgte Narrativ lückenhaft ist. Wenn seriöse Analysten bewerten müssten, was die Roboter (und ihre Entwickler) getan haben, werden sie Folgendes feststellen:

Wenn sich die Inflation verlangsamt, wird dies nicht aus guten Gründen geschehen. Es wird nicht die erhoffte “weiche Landung” der Fed geben. Es wird daran liegen, dass die Rezession schwerwiegender und länger ist als erwartet. In diesem Fall werden sich die Zinssenkungen vielleicht verlangsamen, aber die Aktienkurse werden aufgrund von Nachfragerückgängen, niedrigeren Umsätzen, geringeren Gewinnen, Entlassungen, steigender Arbeitslosigkeit und Unternehmensinsolvenzen einbrechen.

Eine niedrige Inflation kommt mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Auswirkungen. Es bedeutet, dass die Wirtschaft entgleist oder droht dies zu tun. Wer garantiert, dass die Inflation verschwinden wird? Die von den Verbrauchern ausgelöste nachfragebedingte Inflation schwächt sich in einer Rezession ab. Die von der Angebotsseite (Energie, Lebensmittel, Transport, Engpässe in der Lieferkette) ausgelöste Inflation reagiert jedoch weniger empfindlich auf die Geldpolitik und sogar auf eine Rezession.

Die Menschen müssen Benzin und Lebensmittel kaufen, auch wenn sie sich sonst nichts mehr leisten können, sobald sie das Nötigste bezahlt haben. Wir könnten das Schlimmste aus beiden Welten haben – Inflation und Rezession. Auch das wird die Aktienkurse in den Keller treiben, mit der möglichen Ausnahme von großen Energiekonzernen.

Inflation und Rezession sind globale Phänomene. Sie sind nicht auf die USA beschränkt. China steht wegen seiner absurden Zero-Covid-Politik, dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes und dem langsamen Wachstum seiner Handelspartner kurz vor einer Rezession. Die deutsche Industrie könnte in diesem Winter im Dunkeln tappen, weil Russland die Erdgaslieferungen stoppt und die Reserven schwinden.

In der Zwischenzeit verlangsamt sich das Wachstum in den USA erheblich, noch bevor die US-Notenbank ihre geldpolitische Straffung beendet hat. Der Krieg in der Ukraine und die Störung der globalen Lieferketten sind noch lange nicht vorbei.

Es könnte sogar noch schlimmer kommen. Es gibt Anzeichen für eine mögliche globale Liquiditätskrise, die schlimmer sein könnte als die von 1998 und 2008. Anleger sollten sich daran erinnern, dass die globale Finanzkrise von 2008 eigentlich im August 2007 begann, als zwei Hypotheken-Hedgefonds implodierten und eine große französische Bank die Rücknahmen eines Geldmarktfonds aussetzte.

Dennoch erreichte der Aktienmarkt im Oktober 2007 ein neues Allzeithoch, nachdem die Warnzeichen eindeutig waren. Es dauerte weitere 11 Monate bis zum Konkurs von Lehman Brothers im September 2008 und bis die Realität endlich eintraf.

Die Aktienmärkte sind lausige Vorhersager für wirtschaftliche Zusammenbrüche. Die Fed ist sogar noch schlechter. Das beste Instrument zur Vorhersage ist der Anleihenmarkt. Im Moment signalisiert er im besten Fall eine schwere Rezession und eine globale Finanzkrise im schlimmsten Fall. Die Aktienmärkte werden sich dieser Realität stellen und sich bald von dem Algorithmen gesteuerten Narrativ verabschieden.

Nachdem Sie nun die Einzelheiten der Zinserhöhung von letzter Woche kennen, sollten wir das Ganze in die richtige Perspektive rücken. Die Zinserhöhung in der letzten Woche war die vierte in Folge. Das ist ein sehr schlechtes Zeichen. Es ist ein Hinweis darauf, dass die Fed weiterhin die Inflation bekämpft, die Wirtschaft abkühlt und ihre geldpolitische Straffung fortsetzt. Infolgedessen neigen Aktienkurse dazu einzubrechen.

Verstehen Sie den Ernst der Lage? Es ist wichtig zu erkennen, dass wir zwar einige Erholungen innerhalb eines Bärenmarktes wie in der letzten Woche erleben können, Sie als Anleger allerdings mit einem weiteren Abverkauf am Markt rechnen müssen.

Lassen Sie sich nicht von der Mainstream-Berichterstattung, der “Buy the Dip”-Meinung oder von denjenigen täuschen, die versuchen einen Tiefpunkt zu antizipieren. Es ist an der Zeit vorsichtig zu sein.

P.S.: Sie möchten ab jetzt von meiner Arbeit und von meiner Expertise profitieren? Sie möchten erfahren, wie Sie jetzt Ihr Depot im Angesicht der aufziehenden Rezession aufstellen sollen? Hier finden Sie die Antworten auf alle Ihre Fragen.

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