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Causa Wirecard: Das ist jetzt noch zu retten

Lieber Börsianer, 

in München-Aschheim kehrt man nun die Scherben zusammen. Markus Braun ist inzwischen als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. Auch als Großaktionär der Wirecard ist der ehemals starke Mann im Unternehmen mittlerweile Geschichte. Er musste sein Aktienpaket (rund 7 % des Gesamtkapitals) inzwischen weitgehend veräußern, da es als Sicherheit für einen Privatkredit hinterlegt war. Zuvor wurde schon dem Vorstand Jan Marsalek außerordentlich gekündigt.  

An Bord sind nun noch der neue Vorstandschef James H. Freis, Susanne Steidl als Produktvorstand und Alexander von Knoop als oberster Finanzer des Konzerns. Viel Zukunft ist auch diesen Managern nicht beschieden, da sie allesamt dem System Wirecard zuzurechnen sind. Immerhin ist das Trio  sehr um Transparenz und Aufklärung bemüht. So versorgt man die interessierte Anlegerschaft derzeit reichlich mit Ad-Hoc-Pflichtmitteilungen. In der Vergangenheit gab man sich oftmals eher wortkarg.  

Sogar die BaFin äußerte sich unlängst lobend zu den Bemühungen des teilerneuerten Vorstands. Man macht also nun reinen Tisch in der Wirecard-Zentrale, um den Weg für die Zukunft frei zu machen 

Meine Glaskugel sind gegenwärtig drei Optionen für das angeschlagene bayerische Unternehmen. 

Option 1: Die Übernahme. Es ist bekannt, dass der ehemalige Vorstandschef Markus Braun sehr technologie-affin war und ist. So rechnet man die Abwicklungsplattform der Wirecard global zu den führenden Anwendungen. Zudem verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben weltweit über 313.000 angebundene Kunden. Dazu zählen einige führende europäische Unternehmen wie das französische Telekomunternehmen Orange (vormals France Télécom) oder etwa die Fluglinie Air France-KLM. Hierzulande rechnen einige Medien auch Aldi zu den Wirecard-Kunden. Diese Information konnte ich allerdings bislang noch nicht verifizieren.  

Dennoch gilt: Die Kundenkartei der Wirecard und seine Technologie dürfte in der Branche Begehrlichkeiten erwecken. Der Preis für Wirecard ist nach dem jüngsten Kursdebakel der Aktie für die Marktführer der Branche kein Problem mehr.  

Option 2: Die Zerschlagung. Eine Komplett-Übernahme der Wirecard würde für den Übernehmer allerdings bedeuten, dass man auch die Bilanzprobleme und anstehenden Rechtsverfahren „erbt“. Das kann die Lust an der Übernahme dämpfen. So wird die Konkurrenz um Adyen, Square oder FIS möglicherweise eher an einigen Tochterunternehmen der Wirecard interessiert sein, um die schwierige Rechtsnachfolge zu vermeiden.  

Diese „Rosinenpickerei“ würde am Ende zur Zerschlagung des Unternehmens führen. Leidtragende wären die Aktionäre, die in diesem Szenario sehr wahrscheinlich gänzlich leer ausgingen. Lediglich die Gläubiger – also die Anleihen-Investoren sowie die Banken – werden in diesem Fall noch einen Teil des eingesetzten Kapitals zurückholen.     

Option 3: Der Neustart ohne Banklizenz. In diesem Szenario würde Wirecard seine EU-Banklizenz zurückgeben und auch die Erlaubnis zur Ausgabe von Kreditkarten (Visa, Mastercard und JCB International) aufgeben. Im Kern bliebe dann ein Software-Dienstleister erhalten, der sich auf die Programmierung und Entwicklung von Zahlungssystemen konzentriert, ohne dabei Kundengelder entgegenzunehmen.  

Dieses Szenario hat durchaus seinen Charme, weil Wirecard – dann unter neuem und unverbrauchtem Namenerhalten bliebe und damit auch erhebliche Vermögenswerte. Dieses Szenario spielen gegenwärtig viele Investoren bereits durch. Schließlich wurde die Aktie in den vergangenen Tagen nicht nur massenhaft verkauft, sondern eben auch massenhaft gekauft. Die Käufer setzen jetzt schon auf die neue Wirecard.  

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